Ist der Trend zu mehr Nachhaltigkeit bald vorbei?

Die Corona-Pandemie als Hindernis der Nachhaltigkeitsbewegung?

Seit bereits mehr als einem Jahr kämpft die Welt gegen das Corona-Virus. Doch die Pandemie ist immer noch höchst präsent in Medien, Politik, Arbeitswelt und unserem persönlichen Alltag. Einige befürchteten, dass das Thema Nachhaltigkeit in den Hintergrund rückt, während das Retten der Wirtschaft im Fokus steht. Der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit wurde aber bisher nicht durch die Pandemie abgeschwächt – im Gegenteil: Statt einfach zur Vor-Corona-Situation zurückzukehren, wünschen sich 86 % der Menschen weltweit (78 % der Menschen in Deutschland) eine nachhaltigere, gerechtere Welt für die Nach-Corona-Zeit. „73 % der Menschen in Deutschland halten Nachhaltigkeit für ein extrem wichtiges Thema“ (Lukas Cottrell, Peter Schmidt Group, PAGE 01.21, S. 43).

Konsumenten treiben nachhaltige Marken an

Die Erwartungshaltung der Konsumenten übt Druck auf Unternehmen aus, tatsächlich aktiv zu werden. Es reicht nicht mehr, nur Haltung zu zeigen. Konsumenten erwarten Beweise für das Engagement der Unternehmen – Greenwashing wird sehr ungern gesehen. Es geht den Menschen nicht nur um Nachhaltigkeit im Sinne von Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch um soziale Aspekte wie das Einhalten von Menschenrechten. Die Haltung der Unternehmen sowie deren erzielte Erfolge sind transparent zu kommunizieren. Dabei müssen sich Unternehmen auch kritischen Stimmen stellen und eine klare Position einnehmen. Authentizität spielt hier eine wichtige Rolle. Richtet ein Unternehmen sich auf Nachhaltigkeit aus und kann erzielte Erfolge authentisch und transparent vorweisen, so ist dies ein wichtiger Faktor für ökonomischen Erfolg. Denn begeisterte Kunden können so zu loyalen Kunden – vielleicht sogar Markenbotschaftern werden. Das Vertrauen der Kunden darf dabei keinesfalls geschädigt werden! Produkte oder Services lediglich als grün zu „verkleiden“ gilt als Greenwashing und wird von Konsumenten verurteilt. So verliert man als Unternehmen nicht nur loyale Kunden, sondern erleidet womöglich auch einen massiven Imageschaden. Die gute Absicht ist also nicht nur vorzuspielen, sondern sollte auch tatsächlich eine solche sein! Glaubwürdigkeit und Transparenz sind Grundvorraussetzungen für eine Vertrauensbasis zwischen Konsumenten und Unternehmen.

Höhere Preisbereitschaft für nachhaltige Marken

Ist das Engagement für mehr Nachhaltigkeit ersichtlich, sind viele Menschen sogar bereit, mehr für die Produkte oder Services solcher Unternehmen zu zahlen. Laut der BrandTrust Studie, wird ein durchschnittlicher Aufpreis von 13,5 % akzeptiert. Die Millenials und die Generation Z akzeptieren sogar einen Aufpreis von bis zu 16,8 %. Investoren würden für eine nachhaltige, sinnstiftende Anlageform bis zu 18 % weniger Rendite akzeptieren.
Es wird also deutlich: Auch die Verbraucher gewähren Unternehmen, die mit Nachhaltigkeit werben, das Erzielen von Profiten – solange ernsthafte, gute Absichten hinter dem Nachhaltigkeitsmarketing stecken und Erfolge sichtbar sind.

Fazit

Die Nachhaltigkeitsbewegung ist mehr als nur ein Trend – es ist eine Veränderung im Denken der Menschen, das verstärkte Bewusstsein für die Umweltproblematik und die Bereitschaft, für den Umweltschutz sogar mehr zu zahlen. Diese Tendenz zu nachhaltigerem Konsumverhalten konnte bisher auch durch die Pandemie nicht aufgehalten werden. Die Hoffnung auf eine nachhaltigere Zukunft bleibt also und ist in jeder Unternehmenspolitik zu berücksichtigen.

Quellen:
Böhmer, Sarah (2020): Impact-Brands-Studie – Gutes tun ist profitabel
BrandTrust: Impact Brands Studie 2020
Nachtwey, Jutta (2021): Nachhaltigkeit als Markenstrategie, in: PAGE 01.21, S. 40-47.