Das Aus für personalisierte Werbung: Google stellt 2022 Drittanbieter-Tracking ein

2022 wird eintreten, was Experten schon vor Längerem vorhergesagt haben und was Werbetreibende seither fürchten – Google Chrome verzichtet auf personalisierte Werbung und tritt somit in die Fußstapfen von Firefox und Safari, welche die Cookies von Drittanbietern schon seit Jahren blockieren. Und das, obwohl Google genau hiermit jährlich mehrere Milliarden Dollar einnimmt. Dies ist ein riesiger Schritt für das größte digitale Werbeunternehmen der Welt, welches außerdem zu den zehn wertvollsten Unternehmen weltweit zählt. Es wurde sich jedoch auch bereits seit Jahren auf diesen Schritt vorbereitet.


Datenschutz

Der Hauptgrund für diese einschneidende Änderung sind die Datenschutzbedenken der Nutzer. Google möchte den Nutzern mehr Privatsphäre einräumen und verzichtet somit auf Cookie-Tracking. Die User werden demnach ab 2022 nicht mehr über mehrere Webseiten hinweg getrackt, wodurch ihr Nutzungsverhalten nicht mehr nachverfolgt werden kann. Dies steigert die Privatsphäre der Nutzer ungemein.

Auswirkungen auf die Werbebranche

Für Werbetreibende besteht die Problematik nun darin, dass nicht mehr gemessen werden kann, wie die Werbung bei dem Nutzer ankommt. Das bisherige Verfahren galt als besonders effektiv. Durch die Änderungen fallen nun auch die Daten der Nutzer, die den Drittanbieter-Cookies bisher freiwillig und aktiv zugestimmt haben, weg. Maßgeschneiderte Werbung für Einzelpersonen wird daher bald nicht mehr möglich sein, was zu Einbußen in der Online-Marketing-Branche führen könnte.


Googles Alternative

Das ursprüngliche Verfahren ersetzt Google durch eine Alternative ohne Tracking. Mit Federated Learning of Cohorts (FLoC) werden große Gruppen von Nutzer zu Clustern zusammengeschlossen, den sogenannten Interessengruppen. Die Werbung orientiert sich fortan an diesen Interessengruppen; Einzelpersonen bleiben anonym. Google selbst preist dieses Verfahren als nahezu gleichwertige Lösung an und verspricht, dass damit mindestens 95 % der bisherigen Conversions erreicht werden können.

Die Änderungen setzen sicherlich ein positives Signal für den Datenschutz, bringen jedoch höchstwahrscheinlich auch Herausforderungen für Werbetreibende mit sich. Googles Alternative scheint dennoch erfolgversprechend. Personalisierte Werbung ist mit FLoC weiterhin möglich und Agenturen müssen nicht auf das essenzielle Tracking verzichten. Werbetreibende sollten sich trotz allem frühzeitig mit den anonymisierten Daten vertraut machen, damit Werbung weiterhin effektiv bleibt. Überdies funktionieren Erstanbieter-Cookies natürlich auch zukünftig standardmäßig. Darüber hinaus ist es nahezu ausgeschlossen, dass Google in Zukunft gänzlich auf Werbung verzichten wird, da es sich um jährliche Umsätze im Milliardenbereich handelt. Ein übermäßiger Verlust für die Werbebranche ist somit nicht zu erwarten.

Quellen:
Cookiebot: Google beendet Nutzung von Third Party-Cookies in Chrome
Onlinemarketing.de: Welche Auswirkungen hat die Abschaffung von Third Party Cookies auf die Werbebranche?
Petereit, Dieter: Kein Tracking mehr: Google stellt individualisierte Werbung ein
Schuler, Marcus: Google stoppt personalisierte Werbung
Schwarz, Martin: Google stoppt personalisierte Werbung: Drittanbieter-Tracking wird eingestellt
Tagesschau: Deutsche Konzerne abgehängt

Titelbild:
Fotografen – Markus Winkler, Jeremy Zero
Bildbearbeitung – phase grün